ERINNERUNGSKISSEN

Umarme mich!

Vor dem Umzug habe ich bereits viele Kleidungsstücke von Carsten verschenkt und an die Tafel gespendet. Die speziellen Sachen habe ich für mich umnähen lassen, an Freunde verkauft oder einfach aufbewahrt. 

Worüber ich in den Trauerforen und Blogs immer wieder gestolpert bin, sind geschneiderte Erinnerungsstücke, wie Decken, Kissen oder Puppen, die im Patchwork aus der Kleidung des Verstorbenen hergestellt werden.

Nun hatte ich fast alle Weihnachtsgeschenke zusammen und überlegte, womit ich meinen Schwiegereltern etwas Gutes tun könnte. Da fielen mir diese DIY-Ideen wieder ein. Ich fragte mich, warum ich nicht schon früher darauf gekommen bin, für Carstens Eltern etwas aus seiner Kleidung zu schneidern. Als ich dann eine Kissenfüllung besorgte, drei Hemden zusammenlegte und begann diese zu zerschneiden, wusste ich es. Auch das Verarbeiten seiner persönlichen Sachen war wieder ein Abschied für mich.

Aber ein guter. Ich legte die Hemden für das Kissen zurecht und erinnerte mich daran, wie und wo er sie trug. Später suchte ich noch nach Fotos, die ich dazu ausdrucken wollte. Carsten war der Typ Sammler, so hatte er sogar noch die Namensbändchen aufgehoben, die er als junger Mann bei der Bundeswehr tragen musste. Das Zerschneiden der Hemden bot ein seltsames Gefühl. Ich werkelte einige Stunden und war vom Ergebnis selbst überrascht. Das Kissen ist schöner geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. 

In der Brusttasche kann ein Taschentuch griffbereit stecken.
Auf der Rückseite ist ein Ärmel vernäht.
Schnell selbst gemacht, das Kissen im Hotelbezug.

Mein Ehemann ist nicht mehr da, doch er ist in allen Dingen um mich herum. Ich fahre sein Auto oder esse an unserem Wohnzimmertisch. Wie mag das für seine Eltern sein? Egal wie alt man ist, Kinder bleiben immer die Kinder. Es gibt noch das ein oder andere Stofftier und ein paar Pullover passten Carstens Dad. Umso schöner formte sich meine Vorstellung, dass seine Mutter nun ein Kissen zum Umarmen haben wird. Es riecht nach seinem Parfum, in der aufgenähten Brusttasche steckt ein Taschentuch für die Tränen. Geschenke, die man am liebsten selbst behalten würde, kommen von Herzen. Und seine Ma hat sich darüber sehr gefreut.

Ich habe mir keine Vorlage gemacht, einfach ausprobiert.


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