About me

Britta Preuße

Mein Learning ist, dass Trauer die Zeit braucht, die sie braucht.

Man kann nicht daran ziehen, sich verstecken oder verstellen. Wenn man begreift, dass Trauer etwas Gutes ist, dass der Schmerz sich darin verändern wird, dass es immer noch etwas da draußen gibt, für dass es sich zu leben lohnt, dass die Medaille immer zwei Seiten hat, dann können wir mit dieser Form der Liebe weiterleben.

Wir Menschen sind zu so viel fähig! Aber wir müssen das Trauern und den Umgang mit Trauernden erst wieder lernen. Das geht nur, wenn wir kommunizieren.

Wer schreibt hier?

Mein Name ist Britta und ich bin fast 47 Jahre alt oder jung (je nach Tagesform). Ich bin seit 2019 Witwe, habe keine Kinder, dafür meinen tollen Hund Cooper, sowie Familie und Freunde an meiner Seite. Ich lebe in Grevenbroich, zwischen Köln und Düsseldorf und bin auch in Wuppertal Zuhause.

Wie ist dein Mann gestorben?

Carsten hatte Knochenmarkkrebs. Die Hinweise auf die Krankheit waren so diffus, dass wir lange dachten, seine Beschwerden kämen vom Stress. Seine Krebs-Diagnose und der Zusatz „unheilbar“ hebelten unsere Welt völlig unerwartet aus den Fugen. Bis zu seinem Tod hatten wir elf Monate. Nach sechs gescheiterten Therapien starb er schließlich an Organversagen.

Wie hast du dich verabschiedet?

Ich habe Carsten bis in den Tod begleitet und nicht aus den Augen gelassen. Er ist im Krankenhaus gestorben, aber nur, weil wir an diesem Tag einen ambulanten Termin beim Arzt hatten. Aber seine Zeit reichte nicht mehr, um ihn Zuhause sterben zu lassen. Hier kümmerten sich die Schwestern und Pfleger um ihn, so dass ich Familie und Freunde benachrichtigen konnte, damit wir uns alle in Ruhe verabschieden. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben und auch der eindrucksvollste. Denn zu sehen, wie er auf die andere Seite hinüber ging, ich an seiner Seite, war beruhigend. Ich wusste, dass jetzt all seine Schmerzen und Sorgen vergehen, er fortan an einem besseren Ort sei. Denn es gab keine Hoffnung mehr auf ein Leben, so wie wir es geführt hatten. Wir konnten uns verabschieden. Und darüber bin ich so dankbar – denken wir nur an all die Menschen, die sich während der Corona-Pandemie nicht Lebewohl sagen konnten.

Wonach hast du das Bestattungshaus ausgewählt?

Einen Monat vor seinem Tod hatte der Arzt uns bestätigt, dass alle Therapien versagt hatten. Die Hoffnung versiegte. Und ich bereitete mich auf das vor, was unausweichlich kommen würde.

Vor fünfzehn Jahren hatte ich mein Diplom über „Sarg Design“ geschrieben und besuchte im Rahmen meiner Recherchen einige Bestattungshäuser. Somit baute ich bereits vor Jahren die Hemmschwellen ab, mich mit den Dingen, die nach dem Tod kommen, zu beschäftigen.  

Das Bestattungshaus, das ich dann auswählte, hatte mich optisch angesprochen. Und als ich im Beratungsgespräch vermittelt bekam, dass ich die Trauerfeier nach meinen ganz eigenen Vorstellungen gestalten könne, wusste ich sofort, dass ich hier richtig war und wie diese Trauerfeier für mich aussehen sollte. So schön wie sein Leben, so herzlich wie seine Liebe und mit all den Menschen, die ihn geliebt und gemocht haben. 

Wie gehst du seither mit der Trauer um?

Ich war von Anfang an realistisch und habe weder die Krankheit noch seinen bevorstehenden Tod abgetan. Liebe versetzt Berge und Trauer ist nur die Fortsetzung von Liebe. Trauer zieht dich hinab ins Dunkel, sie hat aber auch die unbändige Kraft dich wachsen zu lassen. Ich nehme die Trauer so, wie sie kommt. Aber ich lasse mich von ihr nur so weit hinab ziehen, dass ich irgendwo immer noch einen Lichtschein erkennen kann. Ein Licht, das mir den Weg aus dem Dunkel weist und mich wieder an die Oberfläche bringt.

 

Wie kommst du mit deinem neuen Leben zurecht?

Einen Verlust zu verarbeiten ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen. Alles hat seine Zeit, alles braucht auch seine Zeit. Nach und nach ist mir erst bewusst geworden, was ich wirklich wirklich in Zukunft machen will: ich will als Trauer-Coach arbeiten, aber auch durch die Brille der Designerin schauen, wie sich die Bestattungskultur verändert. Seitdem ich so konkret weiß, was ich will, geht es wieder mit Energie vorwärts. Allerdings gab es in den letzten beiden Jahren auch einige Dinge, die ich abgebrochen habe. Weil sie sich nicht (mehr) richtig angefühlt haben. Weil ich die Energie und die Motivation (Thema Sinn finden) nicht aufbringen konnte. Es kommt nichts angeflogen, man muss immer einen Schritt nach dem anderen setzen, denn im Gehen formt sich der Weg. Endlich habe ich wieder ein Ziel vor Augen, das tut gut und gibt mir wieder einen Sinn zurück.